Kissen fliegen kreuz und quer

Ausstellung: Der Frankfurter Fotograf Robert Schittko zeigt unter dem Titel „Zustand“ Fotos von einer per Flashmob organisierten Kissenschlacht auf der Zeil der Mainmetropole


Ein Meer aus Federn bedeckt das Pflaster. Lächelnde Menschen schleudern Kissen kreuz und quer. Wild fliegt die weiße Pracht durch die Luft, verleiht dem Szenario Schwerelosigkeit. „Dieser Moment war etwas Besonderes, die Leute haben sich vergessen und sind total ausgerastet“, sagt Robert Schittko, der diesen Zustand mit dem Fotoapparat eingefangen hat.


Weil es eben nur ein paar wenige Minuten waren, in denen sich Menschen auf der sonst grauen und tristen Frankfurter Zeil aufgrund eines sogenannten Flashmobs eine Kissenschlacht lieferten, heißt die Ausstellung von Robert Schittko „Zustand“. „Ich bin von den Flashmob-Teilnehmern gar nicht wahrgenommen worden, allerdings habe ich deswegen auch ein blaues Auge davongetragen“, erzählt der Dreiundzwanzigjährige, der im Kulturbahnhof seine erste Ausstellung hat. Knapp 500 Fotos sind bei der Kissenschlacht auf der Zeil entstanden, die besten Aufnahmen sind nun knapp drei Monate lang in Mörfelden zu sehen.
Flashmob 
Der Begriff Flashmob bezeichnet einen kurzen spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen, bei dem sich die Teilnehmer üblicherweise persönlich nicht kennen und ungewöhnliche Dinge tun, beschreibt Wikipedia. Flashmobs werden über Online-Communitys, Weblogs, Newsgruppen, E-Mail-Kettenbriefe oder per Mobiltelefon organisiert. Sie gelten als spezielle Ausprägungsformen der virtuellen Gesellschaft, die neue Medien wie Mobiltelefone und Internet benutzt, um kollektive Aktionen zu organisieren.


Fotografie ist nur ein Schwerpunkt von Robert Schittko, der ab Oktober die Hochschule für Gestaltung in Offenbach besuchen wird. Illustration und Malerei gehören ebenso zum Repertoire des Frankfurters, der sich nach seiner Ausbildung bei einem Geldinstitut nicht wohl in seinem Job fühlte. „Deswegen habe ich die Hochschulreife im gestalterischen Bereich nachgeholt und gehe nun nach Offenbach“, sagt Schittko. Bis dahin leistet er noch die letzten Wochen seines Zivildiensts ab.

„Beim Fotografieren interessiert mich der besondere Moment, das Ungewöhnliche“, erzählt er. Szenarien wie auf der Zeil, die so sonst nicht existieren oder wahrgenommen werden, wie etwa ein wasserleeres, laubgefülltes Schwimmbad im Winter. Gefühle auslösen ohne „Kindchenschema“ wolle er mit seinen Fotos, auch wenn das aufgrund der Überflutung des Mediums Fotografie durch die digitalen Netzwerke eine Herausforderung darstelle. 
Foto und Text: Timo Jaworr 
Veröffenlicht auf: echo-online