Mein Besuch bei Google-Dublin

Mein Besuch bei Google (Dublin) – nine to six bei deinem besten Freund

Drei Kantinen gespickt mit Fünf-Sterne-Köchen, mehrere Stockwerke mit Mottos wie "Pub", "Relax" oder "Sports". Die Firma als bester Freund. Überall organisches Ökoessen, Smoothies und kleine, schick verpackte organische Salate für Zwischendurch. Von Fitnessstudio bis Tanzkurs, über Frisör bis hin zur Spielhalle und den top-designten Rückzugsmöglichkeiten für den Angestellten.

Es kommt mir gar nicht vor wie ein Arbeitsplatz, mehr wie das gesamte Leben, fokussiert und gefiltert auf ein Gebäude. Google bekommt jeden Tag bis zu 10'000 Bewerbungen aus aller Welt. Es ist zwei Mal einfacher, einen Organspender zu finden, als ein Vorstellungsgespräch bei Google zu bekommen. Die Leute sehen allesamt aus, als wären sie Studenten, Krawatten und Aktenkoffer suche ich vergeblich in den perfekt ergonomisierten (Nicht-)Büroräumen. Das Kantinenumfeld erinnert an den Frühstücksbereich einer Jugendherberge oder an die Mensa einer Universität..

Nachdem ich Sushi, Paella und einen frischen Orangensaft hatte, taumelte ich weiter durch die Stockwerke, überlegend, wie wohl oder unwohl ich mich in einer solchen Firma fühlen würde. Google ist in internationalen Rankings zum Thema "Wo ich gerne mal arbeiten möchte" unter Masterabsolventen dauerhaft auf Platz 1. Und das ist für mich zu 100% nachvollziehbar.


Das "Böse", was Google nachgesagt wird, ist auf den Arbeitsplätzen und in den Gesichtern der Mitarbeiter / der Familie nicht zu sehen. Natürlich reichen wenige Stunden kaum aus, um in die Materie von so etwas Großem und Mächtigem wie Google einzutauchen. Die Frage, ob ich dort glücklich werden würde, verliert beim Gedanken an die Wahrscheinlichkeit, eingestellt zu werden, jegliche Relevanz.

Am Ende des Tages zerreiße ich meinen Besucher-Aufkleber, schnappe mir noch einen frischen Orangensaft und verlasse die Parallelwelt Google, wissend, dass mein Studium im gestalterischen Bereich mich niemals hierhin zurück führen wird. Darüber bin ich nicht einmal traurig.